Donnerstag, 11. Juni 2015

"Kings of Summer"

Halbmänner allein im Wald

Plötzlich allein in der Wildnis - kein Handy, kein Essen, kein Unterschlupf. Für Erwachsene stellt das schon eine besondere Herausforderung dar. Für die drei Teen-Ausreißer Patrick, Joe und Biaggio entpuppt sich die neue Freiheit auch als problematischer, als ursprünglich erträumt.



Der Film, der unter dem Namen "Toy House" (Hauptcharakter: Joe Toy) auf dem Sundance FilmFestival Premiere feiern durfte, erinnert an "Stand by me - das Geheimnis eines Sommers." Okay, die Jungs suchen keine Leiche, aber Freiheit, Abenteuer und die Loslösung von Zuhause. In einem Waldstück kommen die Jungs auf die Idee, sich ein Häuschen zu bauen um sich dort einzunisten.

Und sie bauen das Ding auch und ziehen ihren Plan durch. Während die halbe idyllische Kleinstadt nun auf der Suche nach den drei Jungs ist, kämpfen sie sich mit neuen Alltagsproblemen ab. Wie bekommt man Essen? Und wie zerlegt man es, wenn man mal etwas fängt. Und weil sie keine besonders strengen Regeln eingerichtet haben - oder es zumindest an der Umsetzung scheitert - kommt das, was jede Männerfreundschaft irgendwann mal bedroht: eine Frau. Kelly (Erin Moriati, The Philosophers, Red Widow) ist genau das Girlie, in das man sich als Teenager verlieben mag. Und genau da beginnen dann die richtigen Probleme. Zusätzlich, zu den Schlangen und Mäusen.

Die Tatsache, dass "The Kings of Summer" auf dem Sundance lief, zeigt schon mal, dass der Film sich wesentlich mehr Freiheiten erlauben könnte, als die zurechtgebogenen Publikumsmagneten aus Hollywood. Allerdings versucht der Film tatsächlich, möglichst allen zu gefallen - was ihn immer noch gut macht, aber man hätte auch etwas abgedrehter sein können - etwas frecher. Aber für eine nette Geschichtenerzählung mit leichter dramakomödiantischer Briese hält er auf alle Fälle her. Nicht zu schwer, nicht zu leicht. Ganz gelungen.

Abseits von Michael-Bay-Massenkino ist dieser Film für kleines Geld zu erhaschen. Darum reicht ein Klick aufs Film-Foto oben und schon landet man bei der DVD. Bis zum nächsten Mal.




Filminfo: USA / 91 Minuten / FSK 12 / 2013
Regie: Jordan Vogt-Roberts (Death Valley, Metal Gear Solid - The Movie)
Besetzung u.a.:
Nick Robinson (Joe Toy, Jurassic World, Melissa & Joey)
Gabriel Basso (Patrick Keenan, Super 8, Perception, Barely Lethal)
Moises Arias (Biaggio, Noobz, Ender's Game)


Und hier wäre noch der Trailer:


"Lone Survivor"

Das Leben mit dem Tod


Hätte Mark Wahlberg am 11. September 2011 seinen Flug nicht umgebucht, wäre er wohl das prominenteste Terror-Opfer des historischen Anschlags geworden. Doch er hat überlebt und schlüpft nun in die Rolle eines Navy Seals, der im Krieg als einziger seiner Einsatztruppe überlebt. Gut für ihn. Gut für die Propagandamaschine. Doch alles der Reihe nach ...





Wir schreiben das Jahr 2005 - am 28. Juni sollen vier Soldaten der Eliteeinheit Seal Team Ten per Helikopter in den Bergen Afghanistans den Hassprediger und Taliban-Führer Ahmed Shahd (Yousuf Azami, Crank, Brothers) um die Ecke bringen. Dummerweise werden sie von Ziegenhirten entdeckt, die diese Gruppe an ausgebildeten Elitekämpfern, der ganze Stolz des US-Militärs, dann frei lässt. Wissentlich, dass sie jetzt aber sowas von am Arsch sind. Was natürlich im Film irgendwie als menschenfreundliche heroische und gnädige Geste verbraten wird. Was es ja auch in zweiter Linie war. In erster Linie war es einfach nur bescheuert, was die am Ende 20 Särge mit US-Flaggen untermauern. Krieg ist scheiße. Aber für beide Seiten.

Natürlich verpfeifen die Hirten die vier Jungs bei den Terroristen. Und damit beginnt der nackte Kampf ums Überleben für die Seals. Wenn auch nur für einen mit Happy End. Spoiler? Nein. Sagt ja der Titel schon.


Inszeniert wurde das Ganze vom - ich nenne ihn mal - "hässlichen kleinen Michael-Bay-Bruder" Peter Berg. Er steht auf viel Kabum, viel heldenhafte US-Militärs und viel Spannung. Popcorn-Kino also. Und der Film ist auch ganz okay. Weit weg von brillant, aber immer noch leicht über dem Durchschnitt. der sind 6/10 gerechtfertigt, denke ich. 


Den Film jetzt total mies zu machen, wäre typisch Anti-Ami-Einstellung. Das überlasse ich der ach so fundierten Berichterstattung von RussiaToday. "Lone Survivor" ist ganz okay, keine Zeitverschwendung, packend, spannend aber eben auch arg überzeichnet, was die Darstellung der Seals betrifft. Egal, wie wahr die Geschichte dahinter auch ist, am Ende ist bleibt der Beigeschmack von Propaganda. Ui, wie toll ist es, ein Kriegsheld zu sein. Dennoch hat er den Platz im DVD-Regal mehr verdient, als viele andere "Blockbuster".

Wer den Streifen nun in seiner Militärfilm-Sammlung wissen möchte, braucht nur auf das Bild zu klicken und schon landest du bei der BluRay. Have fun ... na ja ... ungünstige Wortwahl. Irgendwie.




Filminfo: USA / 121 Minuten / FSK 16 / 2013
Regie: Peter Berg (Very Bad Things, Hancock, Battleship)
Besetzung u.a.:
Mark Wahlberg (Marcus Luttrell, Vier Brüder, Unbesiegbar, The Gambler)
Taylor Kitsch (Michael Murphy, Der Pakt, X-Men Origins - Wolverine, John Carter)
Emile Hirsch (Danny Dietz, The Girl Next Door, Alpha Dog, Savages)

Lieber erst Trailer ansehen? Bitte sehr:


Dienstag, 9. Juni 2015

"John Wick"

Hunde-Elend


Es gibt Dinge, die können einem den Tag versauen. Wenn man in der Badewanne liegt und das Festnetz klingelt - in der Station. Oder dir dein Lieblings-Ficus eingeht. Oder die Russenmafia deinen Hund tötet. Und schwups, schon sind wir in der Handlung von John Wick. Okay, die Geschichte ist etwas komplizierter.



Der kleine Wufftl war das letzte Geschenk seiner verstorbenen Frau. Und Hundewelpen mag jeder gerne. Vor allem dieser war für John mehr als nur ein treuer Freund. Dummerweise waren ein paar Nachwuchsganoven geil auf sein Auto und so musste in dem ganzen Getümmel der Vierbeiner sein Leben lassen. Und so dumm es klingt: jeder Mann würde jetzt das tun, was Wick nun macht.

Iosef - so der Name des spätpupertierenden Gangstersohnes - klaut die Karre von John Wick und in der zwielichtigen Autowerkstatt wird er gefragt, woher er die Karre hat und dass er sich damit wieder verpissen soll. Denn John Wick ist kein Unbekannter bei den Russen. Er war mal ihr bester Mann. Russen-Papa Viggo versucht. als er von dem Vorfall erfuhr, Schlimmeres zu verhindern und mit einem Telefonanruf bei Wick die Sache unter Männern zu regeln. Ohne Blut. Ohne Opfer. Doch John ist pissig.

Nun beginnt der Shootergame-Modus. Viggo schickt seine Männer los um Wick zu erledigen, ehe der sich den Sohnemann schnappt. Wick ist eine Killermaschine, jeder Schuss trifft den Kopf, nur selten muss er ein zweites Mal auf die gleiche Person schießen. Er ist im Grunde das, was ich bei Call of duty immer gerne melden würde ...

Halten wir es kurz, der Film hat nicht mehr Story. Aber einen interessanten Charakter. Es wäre nicht verwunderlich, wenn es mal ein Prequel geben würde. Denn egal ob Polizisten oder Bardamen, alle kennen ihn und fragen, ob er denn wieder arbeiten würde. Er hat also ein gutes Netzwerk aufgebaut - in seinem früheren Leben. Da steckt also noch eine gute Story drin.

Wie in diesem Popcorn-Streifen. Die Szenen sind actionreich und kurzweilig, man sieht einen Alfie Allen, den man - trotz seiner traurigen Game-of-Thrones-Figur - immer noch nicht leiden kann/mag, einen netten kleinen Twist und ein Finale, das wenig überrascht aber den Film angemessen abschließt. Daher zielgerichtete 8/10 auf der Popmais-Skala.



Seid ihr mit mir? Kommentare erlaubt. Und wer nun noch einen netten Ballerstreifen für seine BluRay-Sammlung braucht, klickt jetzt auf das John-Wick-Bild oben. Bis zum nächsten Mal.

Filminfos: USA / 2014 / FSK 16 / 101 Minuten /
Regie: Chad Stahelki, David Leitch
Besetzung (u.a.): 
Keanu Reeves (John Wick, Matrix, Speed, 47 Ronin
Mikael Nyqvist (Viggo Tarasov, Mission Impossible - Phantom Protokoll
Alfie Allen (Iosef Tarasov, Elisabeth, Game of Thrones)

Ach, du magst lieber erst den Trailer sehen? Kein Ding. Bitte sehr: